Am Ende jeder Saison gibt es Kaderumstellungen und -änderungen. Manche sind vorauszusehen, manche sind logisch und dann gibt es andere, die auch emotional treffen. Die Personalie Zach Boychuk gehört vermutlich zu letzterem.
Wir erinnern uns gerne zurück, als die Medien den Wechsel von Zach „Chucky“ Boychuk zum Hauptstadtclub nur damit kommentierten, dass er Social Media-König wäre. Auf seine sportliche Leistung ging man nicht wirklich ein. Doch genau die war es, die ihn so fest verankerte bei den Eisbären Berlin und ihn zum Fanliebling machte und immer noch macht. Er war fannah. Man konnte jederzeit mit ihm reden und er war nie verlegen, um den ein oder anderen Seitenhieb.
Man ging bei Chucky anfangs davon aus, dass der Vertrag nur auf kurze Dauer ausgelegt ist. Doch er arbeitete sich rein. Wurde in vielen Teilen unverzichtbar und baute sich schnell, aber energisch eine große Fanbase auf. Am Ende stehen fünf Jahre bei den Eisbären und vier unglaubliche Titel. Nun geht diese Zeit zu Ende. Vielleicht wegen dem Alter, vielleicht weil man neue berufliche Herausforderungen sucht, vielleicht weil man sich nicht einig wurde.
Einig sind wir uns dabei, dass ein Großer geht, der seine Hochzeit in der Karriere nicht im Nordamerikanischen Eishockey hatte, sondern hier im Herzen der DEL und in Berlin. Ein lustiger Charakter, der immer mehr wollte und dabei auch in gewissen Bereichen immer über seine Grenzen ging. Ein Typ, der mit Frank Hördler und anderen älteren Haudegen zusammen gespielt und auch mit der Zukunft des Deutschen/Berliner Eishockey wie Korbi Geibel, Eric Mik und Co. gedient hat.
Nun gehört er selber zur alten Garde und will dennoch nicht aufhören. Er will noch weiter machen, aber eben nicht mit bzw. bei den Eisbären. Der Weg endet hier und ist doch schwer zu begreifen.
Doch an diese Situation müssen wir uns langsam gewöhnen: Viele der Fanlieblinge kommen ins gehobene Eishockeyalter. Kai Wissmann und Jonas Müller haben mit ihren 30 Jahren ihr letztes Drittel im Eishockey angebrochen. Klar, wäre es wünschenswert, wenn sie mit 40 oder 45 noch spielen würden. Marcel Noebels wird – vermutlich – seine letzte Saison im Eisbären-Jersey spielen. Nach über 10 Jahren. Ein Meilenstein und doch keine Seltenheit in Berlin. Die Voraussetzungen scheinen für Spieler perfekt.
Viele Spieler lieben die Stadt. Den Verein. Die HNK. Die Fans. Binden sich lange – wie beispielsweise Wiederer, Tiffels und Co – und wollen hier gar nicht weg. Und doch kommt irgendwann der Moment, wo es vorbei ist. So wie jetzt bei Chucky.
Ich habe ihn in den letzten fünf Jahren spielerisch, professionell, aber auch privat gut kennen gelernt und weiß, dass ihm der Abschied sehr schwer fällt. Seine Frau Aby liebt die Stadt … und er lustigerweise das deutsche Sushi. Er genoss die Berliner Fans, die Organisation und alles was das Spiel in der Hauptstadt so mit sich bringt. Die Größe der Stadt (und das als „Dorfkind“), die Freitzeit-Möglichkeiten und das Angebot an Restaurants. Ja, ja, Chucky isst für sein Leben gern. So schwer wie es für uns als Fan fallen wird, wird es auch Familie Boychuk schwer, diesen Abschied hin zu nehmen.
Mein persönliches Highlight – bei den vielen, die ich mit Chucky hatte – war wohl die letzte Meisterschaft, in der er mich versucht hat, auf’s Eis zu holen und gemeinsam den Pokal hochzuheben. Vielleicht wohlwissend, dass es seine letzte Meisterschaft mit den Eisbären sein würde. Die Security machte da leider nicht mit, aber der Gedanke, dieser Augenblick wird mir persönlich immer in Erinnerung bleiben.
Abschließend möchte ich Familie Boychuk, möchte ich dir, liebe Aby, lieber kleiner Chucky, der noch auf dem Weg ist und dir lieber Zach danke sagen, für fünf Jahre tolles Eishockey, unbezwingbaren Willen und aufopfernde Hingabe für uns, für die Fans und für den Hauptstadtclub. Nicht umsonst wurdest du einer unserer „Ehrenstickies“.
Wir sehen uns wieder. So oder so. Auf oder neben dem Eis. Danke für deinen großen Charakter. Danke für dein Vermächtnis.